24 Oktober 2007

In die Scheiße geritten

Gut, dass wir wissen, dass es andere gibt, die es besser können. Der Kollege versprach meinem ehemaligen Mandanten, dass er mit einem kurzen Prozess und einem Geständnis sehr viel besser fahren werde, als mit dem von mir vorgeschlagenen Schweigen.

Der Mandant wechselte, ich habe die Sache aus den Augen verloren. Heute traf ich diesen ehemaligen Mandanten zufällig vor dem Amtsgericht Wernigerode wieder. Er berichtete mir ein wenig traurig, dass das Gericht ihn damals zu einer milden Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt hat und die Milde damit begründet hat, dass das Geständnis erheblich ins Gewicht gefallen sei, weil man ihn ohne das Geständnis nicht hätte verurteilen können.

Nein, Schadenfreude hatte ich nicht, aber ich habe den ehemaligen Mandanten gebeten, jedem, auch wenn er es nicht hören will, zu erzählen, wie ausgesprochen gut er damals von dem Kollegen in die Scheiße geritten wurde.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich frage mich manchmal, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich kein Strafverteidiger werden möchte sondern eher Zivilrechtler, wie man als Verteidiger damit leben kann, dass ein Straftäter (fast 3 Jahre trotz Milde) freigesprochen wird, obwohl der Verteidiger von der Schuld des Angeklagten weiß.

Oder staffelt sich das nach der Schwere, nach dem Motto: Wenns nen Vergewaltiger ist, lehne ich das Mandat ab, wenns ein Kaufhausdiebstahl ist, verteidige ich ihn weiter?

Werner Siebers hat gesagt…

Sie sollten überlegen, ob Sie überhaupt Rechtler werde sollten oder nicht besser Kaufmann oder Chemiker. In jedem Zivilprozess wird gelogen, denn nur eine Seite kann die Wahrheit sagen. Und Sie wissen nie, ob Ihr Mandant lügt oder der Gegner. Ich weiß auch nicht, ob mein ehemaliger Mandant nur ein taktisches Geständnis abgelegt hat, weil mein Kollege ihm das eingeredet hat.

Außerdem ist der Verteidiger nicht da, um die Wahrheit zu finden, sondern um einen rechtsstaatlichen Prozess zu garantieren, und dazu gehört: in dubio pro reo!

Also weg von Jura, wer Gerechtigkeit will. Egal ob Zivil-, Straf- oder anderes Recht!

Unknown hat gesagt…

Richtig so. Geben Sie's dem kleinen Jungen, der noch an den Weihnachtsmann glaubt. Aber keine Sorge, wenn er einmal Zivilrichter werden sollte (wovon wohl eher nicht auszugehen ist) wird er innerhalb kürzester Zeit geläutert sein und sich dann eh mit seinem Hinterteil auf die Gerechtigkeit setzen. Siehe auch schon B.Brecht: Der gute Mensch von S. Schönen Tag noch.

 

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