10 April 2012

Papierfresser

Ich freue mich auf den Zeugen. Der Zeuge ist ein ordnungsliebender Mensch, der Akten so schlank wie möglich halten will und nur das abheftet, was wirklich wichtig ist - aus seiner Sicht.

Der von heute hat mehr als 100 Seiten Handyauswertung eines angeblichen Opfers ausdrucken lassen, um dann festzustellen, dass lediglich auf 2 Seiten aus seiner Sicht belastendes Material aufzufinden war. Deshalb hat er auch sogleich die anderen mehr als 98 Seiten wieder geschreddert. Das ist so lange her, dass die SIM-Karte weg ist und auch auf anderem Wege die Daten nicht rekonstruiert werden können.

Blöd für den Angeklagten, dass auf den mehr als 98 geschredderten Seiten diverse entlastende SMS gespeichert waren und dass sich der ordnungsliebende Zeuge -der ermittelnde Polizeibeamte- heute bestimmt nicht mehr an die entlastenden Umstände erinnern wird.

Sagte ich schon, dass ich mich auf den Zeugen freue?



DEIN RECHT IST MEIN JOB
STRAFJURIST, bundesweite Strafverteidigung

Kommentare:

Rechtsanwalt Thomas Will hat gesagt…

Wie sagte einmal der Ermittlungsleiter beim LKA in einer Sache mit recht vielen TKÜ, aber verhältnismäßig wenig Verschriftungen..."Wenn Entlastendes dabei gewesen wäre, hätten wir es verschriftet". Ja. Klar.

Anonym hat gesagt…

Und wieso ist die ach so wichtige SIM-Karte mit -na klar- diversen entlastenden SMS weg? Bei Justiz und Polizei verschlampt oder vom Mandanten selbst? Bzw. weshalb erinnert sich der Mandant so genau an die Inhalte der entlastenden SMS oder kann die Absender/Empfänger dieser SMS nicht benennen und haben die diese SMS auch schon gelöscht? Leider wirft Ihr Beitrag mehr Fragen auf, als dass er Ihre große Freude begründet..

 

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