20 Juni 2010

Wie frisch gefallener Schnee


Man kommt natürlich bestens durchs Leben, wenn mann immer alles glaubt, denn dann hat man das gute Gefühl, nur mit ehrenwerten Menschen zu tun zu haben und nie belogen zu werden.

Ich versuche das auch immer wieder und glaube meinen Mandanten, den Polizeibeamten, den Staatsanwälten und den Richtern, und schon geht es mir gut.

Leider gibt es hin und wieder dann aber doch Widersprüche in den Aussagen, so dass ich plötzlich bitterlich enttäuscht bin und gar nicht mehr weiß, wem ich nun glauben kann.

Mein Mandant sagt mir z.B., er sei überhaupt nicht belehrt worden, der Polizei schwört beim Augenlicht seiner gesamten Verwandtschaft, dass er erstens immer richtig und zweitens immer frühzeitig und drittens in diesem Fall natürlich auch richtig und frühzeitig belehrt hat.

Und dann erzählt mir der Richter, dass er sich nicht vorstellen kann, dass ein Polizeibeamter lügt - und schon bricht meine Welt endgültig zusammen, weil ich in dem Moment glauben muss, dass mich jetzt der Richter angelogen hat.

Besonders schönes Beispiel im Geraer Schleuserverdachtprozess. 

Die örtliche Presse berichtet tendenziös über das Verfahren. Das Gericht und der zuständige Staatsanwalt werden angesprochen. Ausgesprochen gestenreich und zappelig tuen sowohl der Vorsitzende der Kammer als auch der Staatsanwalt wie frisch gefallener Schnee und betonen mehrfach eifrig, niemals mit der Presse auch nur ein Wort gewechselt zu haben; und was die jeweiligen Pressesprecher der Presse berichtet hätten, das könnten sie auch gar nicht beurteilen, mit denen hätten sie nicht einmal gesprochen.

Es fehlte nur noch, dass beide gesagt hätten, sie wüssten gar nicht, ob es Pressesprecher gäbe und wenn doch, wüssten sie nicht, wer das ist.

Ich bin jetzt leider nicht selig, denn nur, wer es glaubt, wird selig. Schade, mal wieder meine schöne Welt auf das Schärfste


zerstört.

DEIN RECHT IST MEIN JOB
STRAFJURIST, bundesweite Strafverteidigung

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

... armer schwarzer Kater ...

kj hat gesagt…

Der Angeklagte hat natürlich ein stärkeres Interesse zu lügen, was aber nichts besagt, wer tatsächlich schwindelt. Die Glaubwürdigkeit eines Zeugen an dessen Stand zu beurteilen, ist schon recht nationalkonservativ.
Bei diesen Richtern erwarten Sie in einem Schleuserprozess einen Freispruch?

Werner Siebers hat gesagt…

@kj: Nun, sagen wir, keinen freiwilligen.

 

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