22 April 2010

Wer ist hier der Angeklagte?

Nachdem der Richter meinen Antrag positiv beschieden hatte und zunächst noch etwas widerwillig im Beisein des Zeugen eine Urkunde verlesen hatte, reagierte der Zeuge so, wie es der Angeklagte und ich erwartet hatten: zickig und renitent.

Jetzt schwenkte der Richter um 180 Grad und nahm sich den Zeugen heftig zur Brust.

Plötzlich mein Mandant: "Hallo, ich bin hier der Angeklagte!"

(Er wurde trotzdem freigesprochen)

DEIN RECHT IST MEIN JOB
STRAFJURIST, bundesweite Strafverteidigung


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Kommentare:

Ein Staatsanwalt hat gesagt…

Das erinnert mich jetzt daran, wie eine Zeugin, als sie von der Richterin und mir in die Zange genommen wurde, irgendwann einmal fassungslos meinte "Ich komme mir ja fast schon so vor, als wäre ich die Angeklagte und nicht mein Onkel."

Worauf ich nur antworten konnte: "Das wird auch sehr bald der Fall sein."

(Es handelte sich übrigens nicht um eine Ent-, sondern vielmehr um die Haupt*be*lastungszeugin, das Verfahren gegen den Onkel endete mit einem Freispruch. Und ich habe mir noch nicht einmal von seinem Verteidiger, der eigentlich nur die Hände in den Schoß gelegt und zugeschaut hat, seinen Honoraranspruch abtreten lassen...)

Werner Siebers hat gesagt…

Gut, dass es auch solche Staatsanwälte gibt. Ich schäme mich bei solchen Sitzungsvertretern auch nie, mich den "überzeugenden Ausführungen des Sitzungsvertreters" anzuschließen, ohne dann selbst noch für die Galerie irgendwelche Volksreden zu halten.

Und Kollegen mit den Händen in den Schößen könnten natürlich auch die sein, die gar nichts mehr tun müssen, weil der Staatsanwalt so fair war.

Die anderen rundgeluschten Nichstuer als Verteidiger finde ich für den Angeklagten schlimmer als einen verfolgungswütigen Staatsanwalt.

 

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