17 März 2012

Wie untergräbt man früh die Unschuldsvermutung?

Indem man die Presse ganz früh dazu bringt, Vorurteile zu schüren und Personen abzustempeln, bevor irgendetwas dazu Anlass gegeben hätte.

So jetzt die Polizei in Salzgitter unter freudiger Mithilfe der Braunschweiger Zeitung.

Der erste Satz des Artikels in der Ausgabe vom 17.03.2012 ist noch "harmlos:

Die Red Devils haben eine Niederlassung in Salzgitter. In der Neißestraße in Lebenstedt eröffnen die Motorrad-Rocker Samstagabend ihr Clubhaus.

Auch am Schluss des Artikels eigentlich Weichgespültes:

Die Rocker indes möchten keinen Ärger, sagen sie. „Wir unterstützen keinen Drogenhandel, keine Prostitution, eben keine kriminellen Handlungen. Wer mit so etwas bei uns auffällt, fliegt raus“, sagt Mario, der Vorsitzende, der so genannte Präsident der Red Devils. Und sein Vize-Präsident, der namentlich nicht genannt werden möchte, untermauert: „Wir wollen keine Konfrontation mit der Bevölkerung oder mit Leuten, die uns nicht mögen.“ Deshalb liege das Clubhaus auch abseits und nicht mitten in der Stadt. „Wir wollen uns nur treffen, Motorrad fahren und Partys feiern“, sagt Präsident Mario.

Aber zwischendrin die Keule, damit alle wissen, wer schuld ist, wenn in Salzgitter in den nächsten Jahren irgend etwas passiert:

Die Polizei ist in Sorge: „Wir wissen nicht, was sich daraus entwickelt“, sagt Salzgitters Polizeichef Wilfried Berg. Bei den Red Devils handelt es sich um den offiziellen Unterstützer-Club der Hells Angels. 19 Ortsclubs, so genannte Charter, gibt es derzeit nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) in Niedersachsen, darunter in Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt und Wolfsburg. „Die Hells Angels werden der organisierten Kriminalität zugerechnet“, sagt LKA-Sprecher Götz von Behr.



Ich wünsche trotzdem eine angenehme Eröffnungsfeier, die sicher sehr viele genaue Beobachter anziehen wird.


DEIN RECHT IST MEIN JOB
STRAFJURIST, bundesweite Strafverteidigung

Kommentare:

Gast hat gesagt…

Den Anlass zur Sorge geben zwei Sätze, die sich auch in Ihrem Blogbeitrag finden:

"Bei den Red Devils handelt es sich um den offiziellen Unterstützer-Club der Hells Angels."

und

"Die Hells Angels werden der organisierten Kriminalität zugerechnet".

Beide Sätze sind auch zweifelsohne richtig.

Werner Siebers hat gesagt…

Stimmt, objektiv ist es richtig, dass "zugerechnet" wird, was aber nicht zwingend mit einem "tatsächlich sind" verbunden ist.

Wie in jeder anderen Gruppierung gibt es Gute und Schlechte, es kommt bei der Zuordnung dann noch auf den Blickwinkel an und auf das, was man gerne oder nicht gerne sehen will.

Nicht umsonst gibt es keine Angaben darüber, wieviele Mitglieder aus bestimmten Gruppierungen entgegen aller Gerüchte und Erwartungen nicht vorbestraft sind, u.a., weil viele davon schlichtweg straffrei durchs Leben gegangen sind, wobei diejenigen, die lediglich "nicht erwischt wurden", statistisch nicht ins Gewicht fallen würden.

Bert Grönheim hat gesagt…

In Düsseldorf gab es vor ca. 15 Jahren eine Diskussionsrunde zum Thema Strassenkriminalität in der Innenstadt. Frage des damaligen Polizeipräsidenten in Runde, wer von den Anwesenden mit Delikten bereits zu tun hatte und sei es nur als Zeuge. Alle Hände blieben unten. Der Polizeipräsident wurde später wegen irgendeiner Kleinigkeit entsorgt. Die Stimmung im Saal war ungefähr so, als ob Düsseldorf zumindest ein Bürgerkriegsgebiet sei.

Anonym hat gesagt…

... ist das jetzt Werbung für MCs oder für objektivere Berichterstattung? Hat schon was von Biedermann und die Brandstifter.

Werner Siebers hat gesagt…

@anonym: Es ist "Ein Lehrstück ohne Lehre“.

 

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